Nach der Krise müssen viele Unternehmen an ihrer Basis arbeiten: Die digitale Infrastruktur bildet nicht nur die Grundlage fürs Homeoffice, sondern für das ganze Geschäftsmodell.

„Wir haben ein Ausmaß digitaler Transformation von zwei Jahren in zwei Monaten erlebt“, konstatierte der Microsoft-Chef Satya Nadella neulich. Und das ist kein rein amerikanisches Phänomen – es scheint, dass sich die Digitalisierung auch in deutschen Unternehmen durchgesetzt hat.

Doch während der Krise zeigten sich die ersten Risse in der brandneuen digitalen Infrastruktur. Nun, da die ersten Home-Office-Perioden wieder beendet werden, wird klar: Unternehmen müssen diese Risse füllen. Und zwar schnell.

Infrastruktur-Unternehmen profitieren

Nicht alle Unternehmen leiden unter mangelnder Infrastruktur. Allen voran freuen sich die Anbieter digitaler Services. Das Projektmanagement-Tool Microsoft Teams etwa sieht einen sprunghaften Anstieg in seinen Nutzerzahlen: Im April nutzten 75 Millionen Menschen die Plattform, doppelt so viele wie noch im Vormonat.

Generell ist die Krise ein Segen für Unternehmen, die Infrastruktur-Dienste anbieten. Die steigenden Aktienkurse der letzten sechs Monate zeigen dieses Wachstum: Citrix Systems („Arbeiten von überall“) +23%, E-Mail-Alternative Slack +46% und der ungekrönte König des Home Offices, Video-Call-Anbieter Zoom mit +117%.

Defizite in der digitalen Infrastruktur werden sichtbar

Millionen Menschen, die auf einmal von zuhause arbeiten müssen – das hatte in den letzten Monaten deutliche Auswirkungen. Die digitale Infrastruktur sah sich einer Belastungsprobe ausgesetzt. Beim Internetknoten DE-CIX in Frankfurt stieg der Datendurchsatz auf ein neues Rekordhoch, wuchs in kurzer Zeit um 10 Prozent.

Doch der Netzknoten ist noch lange nicht am Limit: „Selbst wenn alle Firmen Europas ausschließlich Homeoffice betreiben würden und nebenher noch die Fußball-EM übertragen wird, kann der DE-CIX-Knoten die notwendigen Bandbreiten für reibungslose Interconnection bereitstellen“, sagte Carsten Titt von DE-CIX unlängst dem tagesspiegel.

Die meisten Menschen sind zuhause heute so gut angebunden, dass Video-Calls und VPN-Verbindungen kein Problem mehr sind – zumindest die landesweite Infrastruktur scheint Home-Office-tauglich zu sein. Doch wie sieht es mit der Infrastruktur der Unternehmen aus?

Flaschenhals Firmen-IT

Der Branchenverband Bitkom spricht vom „Flaschenhals Firmen-IT“: Die Uploadraten der Internetanbindungen reichen oft nicht aus, wenn zu viele Mitarbeiter von außen auf das Firmennetz zugreifen. Auch für VPN-Verbindungen sind mickrige Uploadraten tödlich. Hinzu kommt, dass es oft nicht genug Zugänge für Mitarbeiter gibt, sodass sich nicht alle gleichzeitig anmelden können.

Kurz gesagt: Unternehmen haben bisher oft an ihrer digitalen Infrastruktur gespart. Das rächt sich nun, denn: „VPN-Software sowie Multi-Faktor-Authentifizierung ist essenziell, um die Zuverlässigkeit des Unternehmensnetzwerks sicherzustellen“, sagt Holger Suhl vom IT-Security-Anbieter ESET. Damit sind schwachbrüstige Unternehmensnetze nicht nur ineffizient, sondern auch unsicher.

Fehlende Ausstattung

Auch bei der individuellen digitalen Infrastruktur, also der Ausstattung mit Arbeitsgeräten und Software, zeigten sich die Sparmaßnahmen vieler Unternehmen. Laut ESET wurde weniger als ein Drittel der Mitarbeiter (27%) vom Arbeitgeber mit der notwendigen Technik und Anleitung ausgestattet.

30 Prozent hatten entweder überhaupt keine Geräte zur Verfügung oder nur die privaten, die sie geschäftlich nutzen mussten. Ein Viertel der Mitarbeiter wurde zudem nicht darüber informiert, was sie im Home Office beachten müssen – ein IT-Leitfaden fehlte.

Woher kommt die Knappheit?

Dass viele Unternehmen bei der digitalen Infrastruktur auf Kante nähen, ist nicht verwunderlich. Schließlich investieren gerade kleine und mittlere Unternehmen erst dann, wenn es nicht mehr vermeidbar ist. Der wirtschaftliche Anreiz ist, Ausgaben zu vermeiden.

Wer allerdings zu lange wartet, verursacht Kosten: Unternehmen, die in der Krise ihre Produktivität herunterfahren mussten, Projekte nicht ausliefern konnten oder keine neuen Kunden gewonnen haben, mussten zum Teil massive Einbußen in Kauf nehmen.

ROI: Resilience of Infrastructure

Wer rechtzeitig in die richtige Sache investiert, genießt dagegen den First Mover Advantage – das ist bei der digitalen Transformation nun offensichtlich geworden. Ich schlage daher vor, den Return on Investment nicht nur an Einsparungen und Einnahmen zu messen, sondern auch an der gewonnenen Resilienz. Dort, wo sich Einsparungsvorteil und Resilienzgewinn treffen, liegt die goldene Mitte – der Break Even der digitalen Infrastruktur.

Checkliste: Das sollten Unternehmen angehen

Es ist noch nicht zu spät: Unternehmen können sich auch nach der Krise um ihre digitale Infrastruktur kümmern. Das kann auf vielen Ebenen geschehen:

  • Mobilgeräte: Versorgen Sie Ihre Mitarbeiter mit Laptops und Smartphones
  • Bandbreite: Kümmern Sie sich um eine hohe Uploadrate, passen Sie notfalls Ihre Verträge mit Dienstleistern an
  • Lizenzen: Schaffen Sie ausreichend Software-Lizenzen an, um Mitarbeitern auch von unterwegs das Arbeiten zu ermöglichen
  • Virtuelles Training: Setzen Sie auf Video-Angebote wie LinkedIn Learning, um Mitarbeiter zu trainieren und deren Digitalwissen zu festigen
  • Sicherheit: Zugriff von außen ist dank VPN einfach möglich. Setzen Sie zudem auf Multi-Faktor-Authentifizierung und digitale Signaturverfahren, um Ihr Netzwerk zu sichern.

Die gute Nachricht: Digitale Infrastruktur ist heute kein Luxus mehr. Geräte-Leasing, günstige Lizenzen und SaaS-Anbieter machen es auch kleinen und mittleren Unternehmen leichter, den Einstieg zu finden. Egal ob Drucken, Speichern oder Teamarbeit – heute existiert fast alles als SaaS-Abonnement. Es gibt keine Ausrede mehr. Packen Sie es an.

 

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